Rezensionen, Empfehlungen, Pressekommentare
zu Klaus Funke

Der falsche Jude, Roman

Online-Bestellmöglichkeit
ISBN 978-3-942929-11-0

Logo Leipzigs Neue

Ab Morgen bin ich ein anderer...

In der Oktoberausgabe von Leipzigs Neue auf Seite 18 finden Sie in der Rubrik "Bücher" eine Rezension von Jörn Friedrich Schinkel.

Lesen Sie diese Rezension als PDF. Sie erschien am 13. Oktober 2012 in der linken Monatszeitung für Politik, Kultur und Geschichte ⇒ PDF-Dokument, 89 kB

Der falsche Jude, Roman

Online-Bestellmöglichkeit
ISBN 978-3-942929-11-0

Logo des Neuen Deutschland

Plötzlich war er der Exot

von Sabine Neubert

Sein Roman "Der falsche Jude" macht nachdenklich. ... Das Wichtige des Buches ist die Frage einer grundsätzlichen Toleranz, die zur Vorsicht im Umgang mit der Würde anderer Menschen mahnen möchte.

Lesen Sie die ganze Rezension als PDF. Diese erschien am 11. Juni 2012 in der Tageszeitung "Neues Deutschland" ⇒ PDF-Dokument, 130 kB

Der Fremde mit den gelben Augen, Novelle

Online-Bestellmöglichkeit
ISBN 978-3-942929-12-7


Zeitungsseite

Die Dresdner Neueste Nachrichten schreibt auch über Klaus Funkes Buch "Der Fremde mit den gelben Augen"

Kampf um Isegrim - der Dresdner Autor Klaus Funke holt Sachsens Wölfe in die Literatur. PDF, 191 kB

Rezension der AJuM der GEW

Die Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM) betreibt eine Datenbank mit Rezensionen und vergibt regelmäßig die LesePeter-Auszeichnung.

Sie erreichen die aktuelle Datenbank bzw. das Archiv mit 45000 Einträgen über ajum.de.

Lesen Sie gleich hier als PDF die

Werwölfe in der Lausitz?

von Reiner Neubert

Der Dresdener Schriftsteller Klaus Funke, der bislang vor allem mit Büchern über Musikerpersönlichkeiten auf sich aufmerksam machte, hat jetzt einen brisanten Stoff aufgegriffen. Es geht um die Ansiedlung von Wölfen in der Lausitz. Auf eine ungewöhnliche Art versucht Funke in der Erzählung "Der Fremde mit den gelben Augen" in den Disput um das Für und Wider des heftig umstrittenen Projektes einzugreifen. Obzwar im Untertitel das Genre Novelle fixiert worden ist, handelt es sich eher um eine sagenumwobene Story, die modernen Vampirgeschichten sehr nahe kommt. Der Ich-Erzähler ist offenbar Journalist, und er begibt sich in das Gebiet um Boxberg, denn nahe Horkau befindet sich jene Station, die das Programm der Ansiedlung von Wölfen in Sachsen begleitet und propagiert. Darüber soll ein Bericht für eine Zeitung entstehen. Schon auf dem Weg dorthin passieren die seltsamsten Dinge. Wolfsgeheul empfängt ihn bei der Ankunft. Zwar wird er freundlich aufgenommen, aber nachts wird er durch schauerliche Geräusche geweckt, die mysteriöse Erscheinungen nach sich ziehen. Dann tritt Radon Lupescu auf den Plan, angeblich ein rumänischer Wolfsexperte, der im siebenbürgischen Sibiu ein ähnliches Projekt erfolgreich leite und zum Erfahrungsaustausch hier verweile. Elsa und Frank, die jene Geschicke auf der hiesigen Station verantworten, sind angetan vom Wesen Radons, der mit den Vorurteilen der Bevölkerung gegen die Wölfe aufräumen möchte. Insbesondere richtet sich seine Argumentation gegen mystische Sagen von Werwölfen, die heute von einigen benutzt würden, um gegen das Wolfsprojekt Stimmung zu erzeugen: zuletzt würden diese Ungeheuer nicht nur Schafe, sondern auch Menschenkinder reißen. Doch das Geschehen kippt immer wieder um, denn Radon selbst gerät – nicht nur beim Ich-Erzähler – in den Verdacht, eine werwolfähnliche Gestalt zu sein. Nachts leuchten seine Augen gelb. Seine Schlafstellung erinnert an die der Wölfe. Den Immobilienhändler Josef Kampmann, der sich, aus dem Westen stammend, hier angesiedelt und als Jäger zum Chef der Front gegen das Wolfsprojekt aufgeschwungen hatte, wird von Radon in seine Schranken verwiesen, als er den "Fremden" Slawo in einer Gaststätte zu diskriminieren versucht. Einem Wolfsrudel im Revier der ehemaligen Übungsplätze der Nationalen Volksarmee sowie der Roten Armee nähert er sich, als wäre er selbst einer von ihnen und erheischt derart ihre Zuwendungen, worüber die Begleitpersonen erstaunt und entsetzt reagieren. Eine polnische Pilzsucherin, die nicht nur zu hexen vermag, sondern sich auch hexenhaft aufführt, kürt Radon im Gespräch zum zukünftigen König der Tiere in den Wäldern der Lausitz. Dann überschlagen sich die Ereignisse. Auf der Sonnenwendfeier in Neudorf treffen Befürworter und Gegner des Wolfsprojektes direkt aufeinander und beschimpfen sich maßlos. Radon erzählt einem ständig zunehmenden Zuhörerkreis von seiner Kindheit in Rumänien, wo er eine Woche mit und unter Wölfen gelebt haben will. Seine Mutter soll unter ähnlichen Umständen zu Tode gekommen sein. Jene Wölfe wurden daraufhin ausgerottet. Diese Binnenerzählung, die zwar den Rahmen einer dramatisch strukturierten Novelle sprengt, ist nicht nur in sich geschlossen, sondern äußerst fesselnd. Und sie löst militante Auseinandersetzungen aus, in deren Folge ein Mädchen verschwindet, seine Mutter übel zugerichtet und jener Kampmann auf Wolfsart erdrosselt und gerissen wird. Während der polizeilichen Ermittlungen stellt sich heraus, dass Radon wie vom Erdboden verschwunden ist. Das Wiedergängermotiv ist leicht erkennbar. Und der Bericht des Journalisten bleibt am Ende offen: Motive und Täter der vordergründigen Szene soll der Leser selbst herausfinden. Der Text ist passagenweise reportagenhaft, mitunter mit sagen- bzw. märchenhaften Einschüben versehen. Reale und fantastische Ebenen fließen ineinander, wobei die Figur des Radon immer wieder auf den Wirklichkeitsbezug der scheinbar mysteriösen Gegebenheiten insistiert. Aber der Fremde mit den gelben Augen löst sich in Nichts auf. Eine Handlung, die wie ein Stängel nach oben treibt und plötzlich und unerwartet eine Blume hervorbringt, die in einer unerhörten Begebenheit mündet, wie es J. W. Goethe in seinem Blumengleichnis zur Novelle schildert, existiert hier nicht. Packend und den geneigten Leser einbeziehend, ist das Buch allemal, auch wenn an einigen Stellen die Überfrachtung mit Diskussionsangeboten zu Themen wie dem sozialen Niedergang im Osten, den Ost-West-Vergleichen, der Ausländerproblematik und dem staatlichen Bürokratismus auffällt.

Klaus Funke: Der Fremde mit den gelben Augen. Leipzig: Lychatz Verlag 2012. 167 Seiten. Preis 19,95 Euro. ISBN 978-3-942929-12-7.

Auszüge aus dieser Rezension wurden am 26.04.2012 in der Chemnitzer Freien Presse abgedruckt.

zurück